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Jihadisten und Tuareg-Rebellen greifen in Mali Städte und Militärbasen an

26.4.2026

Jihadisten und Tuareg-Rebellen greifen in Mali Städte und Militärbasen an – und sorgen für die grösste Eskalation des Konflikts seit Jahren

Analysten gingen bisher nicht davon aus, dass die Islamisten in Mali die Regierung stürzen wollen. Doch jetzt sieht es so aus, als hätten sie ihre Ziele geändert.

Samuel Misteli, Nairobi

Islamistische Terroristen und Tuareg-Rebellen haben am Samstag einen koordinierten Angriff auf mehrere Städte und Militärbasen in Mali durchgeführt. Sie griffen unter anderem den internationalen Flughafen in der Hauptstadt Bamako und das Hauptquartier des Militärs an. Dabei zerstörten sie offenbar die Residenz des Verteidigungsministers. Am Sonntagabend gab ein Militärsprecher im staatlichen Fernsehen bekannt, dass Verteidigungsminister Sadio Camara bei dem Angriff getötet wurde.

Camara war eines der fünf Mitglieder der Militärregierung und galt als Nummer zwei innerhalb der Junta. Nach Regierungsangaben hatte ein Selbstmordattentäter ein mit Sprengstoff beladenes Auto vor der Residenz Camaras in Kati, einer Stadt nordwestlich der Hauptstadt Bamako, zur Explosion gebracht. Camara sei in einem Krankenhaus an den Folgen seiner schweren Verletzungen gestorben, hiess es.

Die Jihadisten behaupteten in einem Statement am Samstag, es sei gelungen, die Städte Mopti und Kidal und mehrere Militärbasen zu erobern. Ein Sprecher der malischen Armee dagegen sagte am Samstagabend im Fernsehen, die Situation sei unter Kontrolle. Die Armee habe die Angriffe abgewehrt und mehrere hundert Aufständische getötet.

Tatsächlich schienen die Angriffe auch am Samstagabend an manchen Orten weiterzugehen. Zuvor berichteten Bewohner der angegriffenen Orte von Schüssen und Explosionen. Bei Bamako kreisten Armeehelikopter. Opferzahlen gab es zunächst keine. Die Armee sprach von 16 Verletzten.

Die Angriffe auf einige der wichtigsten Städte des Landes stellen die grösste Eskalation des Konflikts in Mali seit Jahren dar. Die Jihadisten kontrollieren in Mali zwar grosse Gegenden. Koordinierte Attacken auf Bevölkerungszentren hat es aber seit Beginn der Krise vor fast fünfzehn Jahren kaum gegeben.

Der weltweit grösste jihadistische Aufstand

Mali ist zusammen mit den Nachbarländern Burkina Faso und Niger Schauplatz des grössten jihadistischen Aufstands der Welt. Terroristische Gruppen, die zu den Netzwerken von al-Kaida oder dem Islamischen Staat gehören, bekämpfen die Armeen in den drei westafrikanischen Staaten. Mehrere Millionen Menschen sind vertrieben worden. Zehntausende wurden getötet.

Die Krise nahm ihren Anfang 2012 in Mali, nachdem im nördlichen Nachbarland Libyen das Regime von Muammar al-Ghadhafi gestürzt worden war. Gut bewaffnete Malier, die sich in Libyen als Söldner verdingt hatten, kehrten in die Heimat zurück und traten einen Aufstand los. Tuareg-Rebellen, die für die Unabhängigkeit des Nordens von Mali kämpfen, überrannten grosse Landstriche. Jihadisten klinkten sich ein und wurden bald zur stärksten aufständischen Kraft.

In den folgenden Jahren fanden die Jihadisten vor allem in ländlichen Gegenden Zulauf. Sie profitierten davon, dass der malische Staat ausserhalb der Städte kaum präsent ist und das Land zu den ärmsten der Welt gehört. Viele junge Malier sehen im Jihadismus auch eine Erwerbsmöglichkeit.

Der malischen Armee ist es bis heute nicht gelungen, die Aufständischen zu bezwingen. Der Konflikt hat auch zu geopolitischen Verwerfungen geführt. 2020 putschten sich Militärs an die Macht. Sie brachen mit der ehemaligen Kolonialmacht Frankreich, die Malis Armee mit Truppen unterstützte. Stattdessen wandte sich Mali Russland zu, das Kämpfer der Gruppe Wagner schickte. Mali ist der Sahelstaat, der am engsten mit Russland zusammenarbeitet.

Trotz der russischen Hilfe hat sich die Sicherheitslage nicht verbessert. Betroffen ist vor allem die Zivilbevölkerung. Die russischen Kämpfer und die malische Armee sollen für Massaker an Zivilisten verantwortlich sein.

Was wollen die Jihadisten?

Die Angriffe vom Samstag stellen für Malis regierende Junta einen neuen Tiefpunkt dar. Vor allem, dass sich Jihadisten und Tuareg-Separatisten offenbar auf eine neue Zusammenarbeit geeinigt haben, dürfte Anlass zu grosser Sorge geben. In den vergangenen Jahren gab es keine enge Zusammenarbeit zwischen den Gruppen, die 2012 den Norden des Landes unter ihre Kontrolle gebracht hatten. Damals gelang es französischen Truppen, die Aufständischen aus den Städten zu verdrängen.

Schmerzhaft für die malische Regierung ist auch, dass es den Tuareg-Separatisten am Samstag offenbar gelungen ist, die Stadt Kidal einzunehmen. Diese war während Jahren unter Rebellenkontrolle gestanden. Die Armee und ihre russischen Verbündeten hatten sie 2023 zurückerobert – und damit ihren grössten Sieg seit Jahren errungen.

Die Angriffe vom Samstag werfen auch die Frage auf, ob die Jihadisten ihre Strategie geändert haben. Die Attacken wurden von der mit al-Kaida verbündeten JNIM (Jamaat Nusrat al-Islam wal-Muslimin) ausgeführt, der stärksten terroristischen Gruppe im Sahel. Viele Analysten sind bisher davon ausgegangen, dass JNIM nicht die Absicht habe, die Zentralregierungen in Mali und den Nachbarländern zu stürzen, sondern sich damit begnügen würde, ländliche Gegenden zu kontrollieren. Dort verdienen die Jihadisten etwa mit Schutzgelderpressung, Goldabbau und Viehdiebstahl viel Geld.

In den vergangenen Monaten hat sich aber abgezeichnet, dass JNIM die Aufmerksamkeit verstärkt auf das Zentrum Malis richtet. Die Terroristen griffen Tanklastwagen an und schnitten so die wichtigsten Städte des Landes während Wochen von Treibstofflieferungen ab. Dies führte unter anderem in Bamako dazu, dass Lebensmittel knapp wurden und manche Spitäler Patienten nicht mehr versorgen konnten.

Manche Analysten glauben deshalb, dass die malischen Islamisten ihre Ziele angepasst haben könnten, weil sie sich vom Beispiel Syrien inspirieren liessen. Dort regiert seit dem Sturz des Diktators Bashar al-Asad der einstige Jihadistenführer Ahmed al-Sharaa. Ob Malis Jihadisten tatsächlich nach der Macht greifen wollen oder ob sie mit grossen Angriffen eher Zugeständnisse am Verhandlungstisch erreichen wollen, wird sich in den nächsten Monaten zeigen.