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Eine von Bill Gates unterstützte Minenfirma streitet mit einem Museum um Schatzkarten für Kongo

Kongo

18.2.26 NZZ

Kobold Metals will Archivdokumente aus Kongo mit KI nach Rohstoffvorkommen durchsuchen. Doch das Königliche Museum für Zentralafrika in Belgien weigert sich, die Unterlagen herauszugeben.

Samuel Misteli, Nairobi

Am Stadtrand von Brüssel spielt sich ein ungewöhnlicher Streit ab. Die Kontrahenten: ein Museum und eine amerikanische Minenfirma.

Das Königliche Museum für Zentralafrika wurde vor über hundert Jahren gegründet, um die angeblichen Heldentaten der belgischen Kolonialisten in Afrika zu feiern. Im Keller dieses Museums lagern bis heute Millionen alter Papiere: geologische Aufzeichnungen, Landkarten, Vermessungen, Unterlagen von Bergbaufirmen. Die Dokumente entstanden während der 75 Jahre andauernden belgischen Kolonialherrschaft im heutigen Kongo-Kinshasa.

Die Firma Kobold Metals möchte diese Dokumente digitalisieren und mithilfe künstlicher Intelligenz auf unentdeckte Rohstoffdepots in Kongo-Kinshasa durchsuchen.

Doch das Museum im Brüsseler Vorort Tervuren weigert sich: Man könne nicht einfach einer privaten, profitorientierten Firma exklusiven Zugang gewähren zu historischem Material.

Keine Digitalisierung aus Bergbauperspektive

Nirgendwo finden sich mehr Dokumente mit Informationen zu Kongos Rohstoffvorkommen als in Tervuren. Einen halben Kilometer Regalfläche füllen die Unterlagen.

Aber das Museum will die alten Dokumente Kobold Metals nicht zur Verfügung stellen. Und das, obwohl auch die kongolesische Regierung daran interessiert ist, dass die Firma damit Vorkommen findet. Die Regierung hat zu dem Zweck ein Abkommen mit Kobold Metals unterzeichnet.

Laut dem Museum läuft aber bereits seit zwei Jahren ein von der EU finanziertes Projekt, bei dem digitale Kopien der Archivdokumente schrittweise an die kongolesischen Behörden übergeben werden. Der Museumsleiter Bart Ouvry sagte der «Financial Times»: «Es ist wichtig, dass dies nicht nur aus Bergbauperspektive gemacht wird.» Das Archiv stehe Forschern und der Öffentlichkeit offen. Auch private Unternehmen könnten Zugang zu Dokumenten verlangen. Kobold Metals aber habe Zugriff auf das ganze Archiv auf einmal verlangt – was den Zugang für die Öffentlichkeit behindern würde.

Kobold Metals versichert wiederum, die digitalisierten Archivdokumente öffentlich zugänglich zu machen. Die Minenfirma verweist darauf, dass sie bereits mitgeholfen habe, geologische Aufzeichnungen in Sambia zu digitalisieren. Diese sind gegen Gebühr online einsehbar.

Aber am Standpunkt der belgischen Regierung und des Museums hat sich nichts geändert. Nun gibt es offenbar Gespräche zwischen der belgischen und der kongolesischen Regierung.

Hype um Kobold Metals

Der Streit zeigt, wie gross die Bedeutung von Mineralien wie Kupfer, Kobalt oder Lithium in der globalen Wirtschaft mittlerweile ist. Westliche Länder liefern sich ein Rennen mit China und anderen geopolitischen Rivalen um «kritische» Mineralien. Unternehmen benötigen diese für die Produktion von Elektrofahrzeugen, Laptops, Handys und anderen modernen Technologien. China hat in Afrika die Nase vorn. Das Land kontrolliert viele Minen und Lieferketten.

Kongo-Kinshasa, das grösste Land in Subsahara-Afrika, ist ein zentraler Schauplatz des Rennens. Es ist eines der rohstoffreichsten Länder der Welt, fördert weltweit am meisten Kobalt und am zweitmeisten Kupfer. Die amerikanische Regierung versucht, mit diplomatischem Druck und Unterstützung amerikanischer Firmen in Kongos Mineraliengeschäft stärker mitzumischen.

Kobold Metals, 2018 im kalifornischen Berkeley gegründet, ist dabei ein wichtiger Akteur. Um die Firma entstand vor zwei Jahren ein Hype, als sie in Sambia ein riesiges Kupfervorkommen entdeckte. Kobold Metals setzt künstliche Intelligenz ein, um Vorkommen zu orten. Das Unternehmen fühlt sich daher den traditionellen Bergbaufirmen überlegen. Zu den Investoren der Firma gehören Jeff Bezos und Bill Gates.

Handabhacken als Strafe

Auf der Suche nach Material, das mit KI durchforstet werden kann, stochert Kobold Metals nun auch in kolonialen Wunden. Das Königliche Museum für Zentralafrika hiess früher Museum von Belgisch-Kongo, es wurde 1898 von König Leopold II. gegründet. Damals war Kongo seine Privatkolonie. Mit dem Museum wollte er zeigen, wie Belgien in Afrika den Einheimischen europäische Zivilisation beibringt. Den Auftakt für das Museum bildete eine sogenannte Völkerschau: Dazu wurden Kongolesen nach Tervuren gebracht, wo sie in einem nachgebildeten afrikanischen Dorf lebten und bestaunt wurden. Mehrere von ihnen starben.

Die belgische Herrschaft in Kongo war vor allem unter Leopold II. verantwortlich für einige der dunkelsten Kapitel der Kolonialgeschichte. Bis zu 10 Millionen Kongolesen – die Hälfte der Bevölkerung – starben an Hunger, eingeschleppten Krankheiten oder an den Folgen von Zwangsarbeit. Kongolesischen Arbeitern wurden die Hände abgehackt, wenn sie zum Beispiel nicht die geforderten Mengen Kautschuk sammelten.

Das Museum in Tervuren geriet in den Jahrzehnten nach der Unabhängigkeit von Kongo immer stärker in die Kritik. Vor allem ab Ende der 1990er Jahre beklagten Wissenschafter und Aktivisten, das Museum verharmlose die Verbrechen, sein Blick auf die belgische Kolonialgeschichte sei nostalgisch. Zudem besitze es mehr als 100 000 ethnografische Objekte wie Statuen und Masken, von denen viele geraubt oder zu unfairen Bedingungen gekauft wurden.

Zwischen 2013 und 2018 wurde das Museum umfassend erneuert. Seither räumt es den düsteren Seiten der Kolonialherrschaft mehr Raum ein und lässt in der Dauerausstellung auch afrikanische Wissenschafter zu Wort kommen. Der Streit mit Kobold Metals droht das aufwendig renovierte Image des Museums nun aber erneut zu ramponieren.